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Gemeinde im Wandel |
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Fünf Zukunftsthesen |
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von Dr. Heinrich Christian Rust |
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Artikel aus dem "Brief an die Freunde" Nr. 44 |
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Der aktuelle Zustand der Gemeinde |
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Es gibt gegenwärtig viele Analysen über den desolaten und morbiden Zustand der Gemeinde Jesu Christi. Die Gemeinde Jesu in unserem Land scheint in einer „schwierigen Zeit“ angekommen zu sein; einer Zeit, die von einem kulturellen Verwandlungsprozess der Postmoderne geprägt ist. Aber inwieweit ist diese Zeit auch geprägt von dem Geist Gottes? Wo gilt es, als Gemeinde sichtbar eine „Alternativkultur“ zu leben und wo gilt es, die Akzentuierungen der Postmoderne aufzunehmen und zu inkulturieren? Ein kulturfreies Christentum wird es nicht geben können.
Im Folgenden möchte ich aufzeigen, welche Hoffnungskonturen ich für die Gemeinden in unserem Land wahrnehme. Sie sind aus dem Nachsinnen über die Aussagen der Bibel, dem Reflektieren der gegenwärtigen religionssoziologischen Entwicklungen im Land und auch im inneren Hören auf Gottes Geist entstanden. Es ist mein Wunsch, dass diese Aussagen dazu beitragen, dass eine neue Sicht und Vision für die Gemeinde der Zukunft geweckt wird und engagierte Christen in den Kirchen und Gemeinden durch sie neu motiviert werden |
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1. Die geliebte Braut Jesu Christi |
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Die Zukunft der Gemeinde wird nicht dadurch geprägt sein, dass wir die gegenwärtige Situation der Gemeinde nach den Maßstäben der kulturellen Prägungen und Vorgaben der Moderne messen. Die Gemeinde Jesu wird nicht durch sorgfältige Problemanalysen neu belebt, sondern durch eine neue Faszination und Begeisterung von der Schönheit der Braut Christi. „Denn der Geist und die Braut, sie sprechen: Komm!“ (Offb 22,17)
Die Schönheit der Gemeinde Jesu Christi als Braut Jesu wird das Thema der Zukunft sein. Gemeinde treibt nicht Mission, sondern sie ist Mission. Missionswerke und Bewegungen, welche die Gemeinde lediglich im missional-funktionalen Sinn deuten, werden in einer postmodernen Zeit nur wenig Zulauf haben. Die Gemeinde ist der Ort, an dem die Doxa, die Herrlichkeit Gottes, die Ruhe Gottes und der Glanz der Ewigkeit aufleuchten werden. Die Gottesdienste werden nicht wie ein Programm abgespult, sie sind nicht von dem ständigen Appell an den Intellekt und die ethische Verantwortung des Menschen geprägt, sondern von der Feier der Gegenwart Gottes. Sie spiegeln etwas wider von der göttlichen Ruhe, dem Shabbat Gottes. Sie sind Orte des Innehaltens, des inneren Auftankens. Für Jesus Christus ist Gemeinde ein „Traum“. In ihr verherrlicht Christus sich selbst und stellt sich, ohne Flecken und Runzeln, heilig und tadellos dar. (Eph 5,27) |
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2. Die geleitete und versorgte Herde Gottes |
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Die Gegenwart der Gemeinde Jesu in unserem Land ist überaus stark geprägt von einem institutionalisierten Amtsdenken (Pastoralkirchen). Das trifft nicht mehr nur für die großen Amtskirchen zu, sondern in einem zunehmenden Maß auch für Freikirchen und unabhängige Bewegungen. Gottes Geist erweckt in dieser Zeit neu den fünffachen Leitungsdienst wie er in Epheser 4,11-13 beschrieben wird: „Er hat gesetzt Apostel, Propheten, Evangelisten, Hirten und Lehrer zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.“
Der Geist Gottes hat den Dienst der Evangelisten schon im 18. und 19. Jahrhundert neu herausgestellt. Gegenwärtig kommen der prophetische und der apostolische Dienst neu ins Blickfeld. Für die nächsten Jahre ist es entscheidend, ob es gelingen wird, auch die Hirten- und Lehrdienste neu zu wecken und zu entfalten. Diese Dienste haben einen koordinierenden und multiplizierenden Charakter. Die Zukunft der Gemeinde wird durch eine neue „Hirtenschaft“ geprägt sein, da der Wert der Gemeinschaft durch die postmodernen Entwicklungen neu in den Focus rücken wird. Gemeindeleitung wird in Zukunft verstärkt durch den Teamgedanken und das Prinzip von Jüngerschaft und Menschen mit Vorbildfunktionen geprägt sein. Es werden nicht mehr die bekannten Einzelpersonen sein, sondern Teams, welche die Gemeinde Jesu nachhaltig prägen.
Und es wird Gemeinden geben, die auf diesem Gebiet ein apostolisches Mandat für unser Land wahrnehmen werden. Hauptamtliche und ehrenamtliche Kräfte werden zugleich in den genannten Diensten tätig sein. Es wird außerdem neue Berufsbilder geben, die die Gestalt der Gemeinde prägen werden.
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3. Die neue Einheit des Gottesvolkes |
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Der Geist Gottes führt zu einer Einheit, die eine analogielose Qualität hat. Es ist die Zeit der Sammlung, nicht die Zeit der Abgrenzung und Konfessionalisierung. Die konfessionellen und damit verbundenen kulturellen Prägungen werden immer unbedeutender werden. „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft worden seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist nicht Jude noch Grieche, da ist nicht Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Wenn ihr aber des Christus seid, so seid ihr damit Abrahams Nachkommenschaft und nach Verheißung Erben.“ (Gal 3,27-28)
Es wird eine Vielzahl von transkonfessionellen und transkulturellen Gemeinden geben. Es wird unterschiedliche neue Netzwerke und neue Zusammenschlüsse von Gemeindeverbänden geben. Eine „Ökumene der Herzen“ wird die geistliche Landschaft prägen, wohingegen die offiziellen ökumenischen Gespräche nur wenig neue Bewegung bringen. Klassische Erneuerungsströmungen wie die Charismatische Bewegung und die Gemeindewachstumsbewegung werden sich in Zukunft zunehmend vernetzen und zusammenfließen.
Die Ökumene vor Ort wird primär das geistliche Leben der Gemeinden und auch die Ausstrahlungskraft (Transformationskraft) der Christen bestimmen. Frauen und Männer und Menschen aller Generationen werden ihren Platz in dieser Gemeinde haben. Die Orientierung an bestimmten Zielgruppen und Milieus wird immer unbedeutender werden. Die Generationen werden neu von Gott zusammengeführt werden. Die Einheit mit dem von Gott erwählten Volk der Juden wird nicht primär über den theologischen Dialog gestärkt werden, sondern durch die Wiederentdeckung einer gemeinsamen Spiritualität (einer messianisch geprägten Spiritualität) und durch eine „Schicksalsgemeinschaft“ in Erwartung des Messias, bzw. der Wiederkunft Jesu Christi. |
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4. Die angefochtene und kämpfende Gemeinde |
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Der Geist Gottes wird sich eine Gemeinde zubereiten, in der es kaum noch Raum für „Mitläufer“ oder gar „Karteileichen“ geben wird. Christsein wird seinen Preis haben, aber auch seinen Lohn. Die Gemeinde der Zukunft ist eine wachende und betende Gemeinde. „Die Taktiken des Satans sind ihr bekannt.“ (vgl. 2. Kor 2,11) Sie wird darum kämpfen, weiter eine dienende, gebende und sendende Gemeinde zu sein, auch wenn die Mittel knapp werden; sie wird darum kämpfen müssen, für Heilung und Befreiung einzutreten, auch wenn Krankheit und Unfreiheit sie binden und lähmen wollen; sie wird dafür eintreten, Menschen in eine neue Gemeinschaft der Liebe Christi einzubinden, auch wenn Satan die Taktik der Separierung, der Vereinzelung und der Trennung immer wieder einsetzen wird.
Sie wird eine Gemeinde des konzentrierten Gebetes und der Nachfolge sein müssen, da die Taktik des Bösen darin bestehen wird, die konzertierte Einheit zu stören. Die angefochtene und kämpfende Gemeinde wird eine wachende und betende Gemeinde sein. Das Gebet und die Abhängigkeit einer Gemeinde von Christus werden entscheidend für die ihr verliehene Autorität und die Ausstrahlung in Lehre und Mission sein.
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5. Die Mission Gottes in dieser Welt |
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Die Gemeinde Jesu ist Mission, sie treibt nicht nur Mission. Die unterschiedliche Ausprägung von Mission in der jeweiligen Gemeinde wird zu stark unterschiedlichen Gestalten von Gemeinde führen. Sie wird in einer postmodernen Welt neue Wege der Mission gehen:
In der Anbetung (Leiturgia); neue Formen der Gottesdienste und mehr Gottesdienste im Alltag.
In der Gemeinschaft (Koinonia); es wird nicht nur Klein- oder Hausgruppen geben, sondern eine Vielfalt von alltagsnahen Formen der Gemeinschaft (Dreierschaften; kommunitäres Leben; Mentorenschaften usw.).
In der Evangelisation (Martyria); die persönliche Evangelisation wird zunehmend das Schwungrad aller Evangelisation sein. Evangelisation und Diakonie werden stärker Hand in Hand gehen. Die Medien werden dabei eine zunehmende Bedeutung haben. Die Evangelisation wird sich nicht mehr vornehmlich an bestimmten Zielgruppen ausrichten. Die spirituelle Erfahrung wird Hauptzugang für das Evangelium sein; die argumentative Verkündigung wird nicht mehr den Stellenwert haben, wie gegenwärtig. Evangelium will erlebt werden, bevor es geglaubt wird.
In der Diakonie (Diakonia); der Dienst am Nächsten wird die Haupteingangstür in die Gemeinden sein. „Wer bei Christus eintaucht, der taucht bei den Armen wieder auf.“ (Paul Zulehner, katholischer Theologe)
In der Lehre (Didaskalia); die Gemeinde wird lernende Gemeinde sein. Neue Formen des Lernens werden das Gemeindebild prägen – auch unter dem Einsatz neuer Medien.
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Verfasst wurde dieser Beitrag von: |
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Dr. Heinrich Christian Rust |
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Heinrich Christian Rust ist Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Friedenskirche in Braunschweig und gehört zu den Initiatoren der Christlichen Gesundheitskongresse. Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag, den der Autor auf der Herbsttagung der GGE-Westfalen im Oktober 2011 gehalten hat. |
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Letzte Änderung: 21.12.2011, 10:25 Uhr |
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