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GGE online: Themen und Impulse |
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Die zehn klugen und törichten Jungfrauen |
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Predigt zum Ewigkeitssonntag 2009 |
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von Friedrich Aschoff |
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Worauf baust Du und worauf vertraust Du im Letzten und Tiefsten? |
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Der Ewigkeitssonntag ist nicht nur rückwärts gerichtet in die Vergangenheit. Wir schauen auch nach vorne, in die Zukunft. Zugleich werden wir an die Sterblichkeit unseres eigenen Lebens erinnert und gefragt: Worauf baust Du und worauf vertraust Du im Letzten und Tiefsten? Durch diese Frage sollen wir die Kraft gewinnen, unsere Zukunft zu gestalten. „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ So ruft es uns der Wochenspruch zu.
Und die Klugheit, die hier gemeint ist, gewinnen wir nicht durch Wegschieben oder Verdrängen dieser Tatsachen, sondern, dass wir uns ihnen stellen. Wie das gemeint sein kann, das zeigt uns ein einziger Satz, der auf einem Ehrenmal in Mainz steht: „Bruder, wie klein ist dein Streit!“ Wie klein wird alles, wenn der Tod in unsere Lebensplanung eingegriffen hat. Dann verändern sich viele Maßstäbe. Das was uns vorher so unheimlich wichtig war, wird plötzlich sehr klein und unbedeutend. Wie schnell kann z. B. eine Krankheit oder medizinische Diagnose zeigen: Deine Lebenszeit ist kürzer, als du gedacht hast. Ordne dein Leben. Komm mit Gott ins Reine vor dem du bald stehen wirst. „Bruder, wie klein ist dein Streit!“ Lohnt es sich denn wirklich, die kurze Zeit unseres Lebens mit Streit zu verschwenden? Denke daran, dass du bald vor dem Herrn deines Lebens stehen wirst. Liebe Gemeinde, um diese Fragen geht es heute in dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen. Jesus will uns mit diesem Gleichnis vorbereiten auf die alles entscheidende Begegnung.
Er will verhindern, dass wir unvorbereitet sind, weil wir uns mit Nebensächlichkeiten aufgehalten haben. Er will uns zurüsten für die Begegnung mit Gott. Dafür wählt er ganz bewusst das schönste Bild überhaupt. Das Bild von der Hochzeit. Er will uns damit sagen: Euer Glaube ist keine todtraurige Angelegenheit, sondern ein freudiges Ereignis. Ihr seid eingeladen zu Gottes großem Fest. Ihr dürft euch freuen, dass ihr bei Gott willkommen seid. Bei ihm soll sich euer Leben erfüllen. Diese Begegnung mit Gott ist nicht nur Ende der Lebenszeit, sondern ein neuer wunderbarer Anfang. Das ist die beglückende Botschaft der Bibel: Als Christen gehören wir - wie die zehn Jungfrauen - zur Festgemeinde Gottes.
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Alle sind eingeladen |
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Bei aller Freude gibt es hier auch ein „Aber“. Aber – noch ist nicht klar, ob wir zu den klugen oder törichten Brautjungfern gehören. Zunächst gilt nur: Alle sind sie eingeladen – und alle machen sich auch auf, um den Bräutigam zu empfangen. Nun gibt es in unserem Gleichnis noch einen merkwürdigen Zug. Weil der Bräutigam so lange ausbleibt, schlafen alle ein. Die Klugen genauso wie die Törichten. Alle sind sie eingeschlafen. Jesus erzählt dies ohne Kritik.Fast scheint es, als habe er dafür Verständnis gehabt. Tatsächlich hat er auch bei seinen Jüngern immer wieder dafür gesorgt, dass sie die nötige Ruhe fanden.Er wusste, Ruhen und Schlafen kann auch ein Zeichen des Gottvertrauens sein. Und umgekehrt kann Sorgengeist uns jeden gesunden Schlaf rauben.
Wie auch immer – nicht die Tatsache, dass sie eingeschlafen waren wird kritisiert, sondern, dass sie keine Vorsorge getroffen haben. Jesus fordert uns immer wieder zur Nüchternheit des Glaubens auf. Es gab einmal Zeiten in der Kirche, da hat man vor lauter Erwartung des Kommenden die Gegenwart versäumt. Da wurden die Menschen aufs Jenseits vertöstet.Die Gegenwart war nur ein Jammertal, das zu ertragen sei.Aber auch in solchen Zeiten, wo es den Menschen sehr schlecht ging, gab es einige, die hellwach blieben und die Nöte der Zeit anpackten. Eine solche Zeit waren die Napoleonischen Kriege um 1814 und die der frühen "Industriellen Revolution" vor 160 Jahren. In dieser Zeit traten Persönlichkeiten auf mit großem Glauben und tiefer Nächstenliebe. Sie setzten viele Zeichen christlicher Hoffnung und Nächstenliebe, sie gründeten die „Innere Mission“.
Heute dagegen scheinen wir den umgekehrten Fehler zu machen. Wir verlieren uns in der Gegenwart und das Kommen Gottes rückt in weite Ferne. Der Glaube an die Wahrheit des Evangeliums und die Wirklichkeit Gottes schwindet aus unserem Sinn. Die Folgen sind nicht weniger dramatisch. Es tritt eine "Egoisierung" des Lebens ein. Biblische Wahrheiten werden einfach geleugnet. „Wahr ist, dass es keine Wahrheit gibt“ – ist bekanntlich ein Dogma der Postmoderne. Auch diese Haltung kann als ein Erlöschen unserer Glaubenshoffnung verstanden werden. Entscheidend bleib, dass wir in unserem Glaubensleben Vorsorge getroffen haben. Es kommt darauf an, dass wir vorbereitet sind auf den Tag, an dem wir Gott von Angesicht zu Angesicht begegnen werden.Für die meisten von uns ist dies der Augenblick unseres Todes. „Mitternacht heißt diese Stunde“ so dichtete Philipp Nicolai in der Pestzeit des Jahres 1599.
„Wachet auf! ruft uns die Stimmer der Wächter sehr hoch auf der Zinne,wach auf, du Stadt Jerusalem.“ Der Dichter lebte in einer Zeit, in der der Tod jederzeit zuschlagen konnte. Das war keine Schweinegrippe, da herrschte die Pest. Aber sein Lied ist durchzogen von einem frohen, hellen Klang. Er fordert uns auf, wach zu sein, damit wir den nicht versäumen, der uns zu seinem Fest einladen will.
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Verpasse deine Stunde nicht! |
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Diese Botschaft hat Menschen zu vielen Zeiten geradezu elektrisiert. In vielen alten Kirchen und Domen werden die klugen und törichten Jungfrauen dargestellt. Ganz berühmt sind die 10 Jungfrauen im Dom zu Magdeburg oder im Straßburger Münster. Es war offensichtlich den Meistern und Erbauern so wichtig, dass sie diese Botschaft darstellen wollten. Wer zur Kirche ging, der solle wissen: Verpasse deine Stunde nicht! Eine Erinnerung an diese Mahnung haben wir noch in einem Sterbegebet, das wir auf dem Friedhof beten: Herr, dir befehlen wir den Nächsten an, den du aus unserer Mitte abrufen wirst. Bereite ihn und uns alle zu einem seligen Ende.
Liebe Gemeinde, eines aber hat mich bei unserem Gleichnis immer gewundert.Warum die Klugen den Törichten nichts von ihrem Öl abgegeben haben. Sie sagen ja: Dann würde es für uns beide nicht reichen!Stimmt das? Leider ja! Es gibt Dinge, die Du nicht für andere tun kannst. Es sind die ganz elementaren Dinge des Lebens. Du kannst nicht für andere essen, trinken, atmen. Auch in den Fragen des Glaubens können wir nicht von den Reserven anderer leben. Hier müssen wir unsere eigenen Erfahrungen gesammelt haben. Wir können uns z. B nicht auf den Glauben unserer Mutter verlassen. Er wird uns nicht durchtragen, wenn unsere „Mitternacht“ kommt.Hier werden wir einmal ganz allein auf uns gestellt sein. Es sei denn, wir haben die Hand dessen ergriffen, der uns allein halten kann: Jesus Christus.
Liebe Gemeinde, ich kann Ihnen das bezeugen.
Ich habe Menschen sterben sehen, die seine Hand ergriffen hatten. Ihr Sterben war zutiefst feierlich und tröstlich. Es hat mir gezeigt, dass einer da ist, wenn sonst nur Einsamkeit herrscht. Ich bin dankbar für diese Abschiedsstunden. Sie haben mir gezeigt: Mit Jesus, dem Auferstandenen, lebt sich’s anders und mit ihm stirbt sich’s anders. Der Ruf: Der Bräutigam kommt! – ist darum kein Schreckensruf, sondern ein Freudenruf.
Wir dürfen heimkehren zu dem, der unser unvollkommenes Leben vollenden will in seinem ewigen Reich. Amen.
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Verfasst wurde dieser Beitrag von: |
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Friedrich Aschoff |
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Jahrgang 1940. Studium der Theologie in Oberursel, Münster, Heidelberg und Erlangen. Von 1971 bis 1999 Gemeindepfarrer in Kaufering (Oberbayern). 1988-2004 Erster Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche, seit 2004 deren Ehrenvorsitzender. Verheiratet, drei erwachsene Kinder. |
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E-Mail: friedrich.aschoff@gmx.de |
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Letzte Änderung: 14.12.2010, 09:39 Uhr |
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