Eine Hoffnung für unser Land und unsere Kirche Startseite
suche
 
 
     
 home  |  kontakt 
die gge
bundesweit
regional
aktuell
newsticker
nachrichten
themen+impulse
termine
publikationen
shop
service
kontakt
pinnwand
download
links
archiv
gge-seiten
  GGE-Tagungsstätte Obernkirchen
  Christlicher Gesundheitskongress Kassel 2010
  Deutschland betet - 1.000 Gebete an 1.000 Orten
  Gebetstag für Deutschland 3.10.2011
  Kongress christlicher Führungskräfte 2011 in Nürnberg
  GGE Nord
  GGE Nordbayern
  GGE Südbayern
  GGE Westfalen
  GGE Württemberg
  GGE Österreich
home > aktuell > themen+impulse > Das Geheimnis der Ehe...
GGE online: Themen und Impulse
  Das Geheimnis der Ehe
  Größeres sehen
  von Karl-Heinz Michel
 
   Artikel aus dem "Brief an die Freunde" Nr. 34  
 
   Jesus legt einen anderen Maßstab an
  Und er machte sich auf und kam von dort in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordans. Und abermals lief das Volk in Scharen bei ihm zusammen, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals. Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe. (Markus 10,1-12)

Woran denken wir spontan beim Stichwort „Mose und das Gesetz"? Strenge Forderung, Gesetzlichkeit? Und woran, wenn wir „Jesus und das Evangelium" hören? Vergebung und barmherzige Weite. So sind wir's doch gewohnt, so denken wir uns den Unterschied von Judentum und Christentum. Und hier, in unserem Abschnitt aus dem Markusevangelium, ist es genau umgekehrt!

Hatten Sie das gewusst, dass das alttestamentliche Gesetz die Möglichkeit der Ehescheidung vorsieht?
„Wenn jemand eine Frau zur Ehe nimmt und sie nicht Gnade findet vor seinen Augen, weil er etwas Schändliches an ihr gefunden hat, und er einen Scheidebrief schreibt und ihr in die Hand gibt und sie aus seinem Hause entlässt ...“ (5. Mose 24,1).

So einfach war das – für den Mann! Aber es gab in Israel auch immer das Wissen, dass es so eigentlich nicht gemeint war mit der Ehe. Dass ein Mann Vater und Mutter verlässt und seiner Frau anhängt, das ist ein einzigartiger Lebensweg, der nicht beliebig zu wiederholen ist. Das zweite Kapitel der Bibel spricht davon. Daher ist es kein Zufall, dass eines Tages die Pharisäer, die es mit ihrer Frömmigkeit genauer genommen haben als andere, zu Jesus kommen und ihn fragen: „Darf ein Mann sich scheiden von seiner Frau?" Das heißt: Entspricht dies wirklich dem Willen Gottes?

Was denken wir in dieser Frage? In unserer Gesellschaft geht jede zweite, dritte Ehe wieder auseinander, sofern man überhaupt noch heiratet. Bei manchen Ehepaaren kann einem schon der Gedanke kommen, dass es barmherziger ist, wenn sie auseinander gehen, als dass sie zusammenbleiben. Entsprechend machen wir dann unsere staatlichen Gesetze von dem her, was nach unserem Urteil möglich oder eben nicht möglich, zumutbar oder unzumutbar ist. Maßstab ist der Mensch in seinem Vermögen oder Unvermögen. So halten wir es. Ganz ähnlich hielt es Mose, wie Jesus bestätigt: „ Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben.“ Darum räumte er die Möglichkeit der Scheidung ein.

Da ist es doch hochinteressant zu sehen, wie Jesus hier antwortet. Er legt einen ganz anderen Maßstab an, nämlich den, wie es ursprünglich gedacht war mit der Ehe. Welche ursprüngliche Absicht und welches Ziel steckt von der Schöpfung her dahinter? Das ist für Jesus die maßgebliche Frage.
 
   Das Ehekonzert einüben  
  Ein frei erfundener Vergleich mag dies verdeutlichen: Stellen wir uns eine Orgel vor, zwei Manuale, Fußwerk, viele abwechslungsreiche Register, ein herrliches Instrument — aber kompliziert! Nach einigem Probieren bekommt man vielleicht ein paar Töne heraus, mit der Zeit kann man ein wenig klimpern, ein Manual reicht dafür. Aber richtig spielen?

Die Orgel ist ein wundervolles Instrument und wird nicht umsonst die „Königin der Instrumente" genannt. Die vielen Register wollen gezogen, gemischt und abwechslungsreich eingesetzt werden, so hat es sich der Orgelbauer gedacht. Und das Pedal gibt die Grundlage von allem, die wunderbar vollen Basstöne. Aber um spielen zu können, muss man Noten lesen können und vor allem viel, viel üben, von klein auf und mehrere Jahre lang üben. Selbst wenn man schließlich Bachs d- moll-Toccata und Fuge spielen kann, muss man noch viel üben, damit die Finger gelenkig bleiben, und es sollen ja auch neue Stücke dazukommen.

Warum ich das so ausführlich erzählt habe? Die Ehe ist ein wundervolles Instrument, liebevoll ausgedacht von einem Schöpfer, der selbst die Liebe ist und sich darauf versteht. „Von Beginn der Schöpfung an hat Gott den Menschen geschaffen als Mann und Frau …“, sagt Jesus – zwei recht verschiedene Wesen, die füreinander geschaffen sind und gerade aufgrund ihrer Verschiedenheit und Vielfalt zu einer herrlich klingenden Kontrastharmonie werden können.

Wenn sich ein Mann und eine Frau verbinden, beginnt daher ein großartiger Weg, ein Übungsweg zu einem phantastischen Ehe-Konzert. Man muss allerdings Noten lesen lernen, z.B. im Gesicht und im Verhalten des anderen, und Zwischentöne hören können, den anderen in seiner Andersartigkeit wahrnehmen, verstehen und zu nehmen lernen. Man darf lernen, die verschiedenen Register zu ziehen, damit der Zusammenklang immer farbiger, voller wird. Über wie unendlich viele Register verfügt eine Ehe von zwei ganz unterschiedlichen Menschen! Und man muss viel üben: Liebe üben, hören üben, streiten üben und sich-einigen üben, gemeinsam lachen und weinen, reden und schweigen, Kinder bekommen und Kinder gehen lassen, miteinander alt werden lernen und schließlich sich aus diesem Leben loslassen lernen. Die Ehe ist ein Geheimnis und „dies Geheimnis ist groß“, sagt Paulus (Epheser 5,32). Geheimnisse wollen entdeckt werden, und das geht nicht von heute auf morgen!
  
   Gott will immer unser Leben  
  „Viel zu anstrengend!“ – „Keine Lust!“ – „Ich kann doch nicht immer nachgeben!“ – „Mit dir geht das nicht!“ – „Wir sind zu unterschiedlich.“ – „Du hast mir schon genug wehgetan.“ – „Lass mich endlich in Ruhe!“ Das sind Partneräußerungen aus unserer Zeit, die häufig zu hören sind. Mit solchen Worten gibt man schließlich auf. Es geht nicht mehr – Scheidung. „Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben.“ Wie verständlich – und wie schade!

Zwei unterschiedliche Maßstäbe werden hier deutlich. Woran orientieren wir uns in unseren Beziehungen? Woran orientieren wir uns, wenn wir verheiratet sind? An unseren Defiziten und begrenzten Möglichkeiten, an Lust und Unlust, an Zumutbarkeit oder Unzumutbarkeit? Wenn es so ist, kann das rasch auseinander führen, auch sonst im Leben. Oder orientieren wir uns an dem, wie es ursprünglich gedacht war und wie es Gottes Vision für jede Ehe ist?

„Von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen und die zwei werden ein Fleisch sein ... Was nun Gott zusammengefugt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“

Der Mensch scheidet meistens zu früh. Die andere Möglichkeit ist zu bleiben, in Enttäuschungen, Verletzungen und Zumutungen aneinander zu bleiben mit der Chance, miteinander über Defizite und Grenzen hinaus zu wachsen. Wir lernen immer an den Grenzen. Innerhalb dessen, was uns zur Verfügung steht, was wir schon haben und können, werden wir nicht viel wachsen. Aber an unseren Grenzen können wir viel lernen und über uns hinauswachsen. So entfaltet sich unser Menschsein. So entfaltet sich eine Ehe.

Jesus, der weiß, was im Menschen ist, hat das vor Augen. Er ist gekommen, uns zu einem erfüllten Leben zu verhelfen. Bei Jesus ist mehr möglich als bei Mose. Mose musste den Scheidebrief einfuhren. Jesus hilft uns, in der Liebe zu wachsen, über unsere Grenzen hinaus zu wachsen. Mose musste angesichts unserer Herzenshärte kapitulieren. Jesus und sein Wort, das Evangelium, macht unser Herz weich, seine Liebe lässt uns über uns hinaus wachsen.

Darum kann er gegenüber den Jüngern auch so unmissverständlich klar reden. Es klingt hart: „Wer sich von seiner Frau scheidet und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe ...“. Doch Jesus macht hier keine moralischen Ausführungen, sondern lässt die Fakten sprechen. Scheidung und neue Partnerschaft schließt nun einmal den Zerbruch der ersten Ehe ein. Jesus sagt nicht: „Wie unmoralisch ist das! Wie unmöglich!“ Er kennt schließlich den Menschen. Er sagt auch nicht: „Das darfst du nicht!“ Vielleicht wollten die Pharisäer eine solche Antwort hören. Er sagt „nur“ in aller Klarheit: Das entspricht nicht dem Schöpferwillen Gottes. Nach Gottes Willen soll das nicht sein, Bruch der Ehe und Scheidung. Denn Gott hat anderes vor mit dem Menschen, mit einer Ehe, Größeres, Schöneres, tiefe Lebenserfüllung. Gottes Wille ist immer unser Leben.

Jesus richtet Gottes ursprünglichen Willen wieder auf über uns Menschen. Er kann das tun, weil er für unsere Verfehlungen ans Kreuz gegangen ist. Und er kann das tun, weil er uns über unsere Schuld hinausführt, weil er uns über unsere Grenzen hinausführt. Er, der Herr, macht meine Grenzen weit. Weil Christus das kann und bei jedem, der ihn bittet, tun will, darum können und dürfen auch wir festhalten an dem ursprünglichen Willen Gottes mit Mann und Frau, am wundervollen Geheimnis der Ehe und an ihrer Unauflöslichkeit, und darin einen weiten Raum zum Wachsen entdecken.

Was braucht es in einer Zeit, in der zu viele zu früh aufgeben mit dem Orgelspielen? In der man fast nur noch nach dem Möglichen und Zumutbaren fragt, aber nicht mehr nach dem, was ursprünglich gedacht war und in einer Ehe sein und werden könnte? Es braucht einige, die zeigen, wie wundervoll Orgelspielen sein kann, was für phantastische Möglichkeiten dieses Instrument hat. Es braucht einige, die begeistert sind von der Ehe und ihren unerschöpflichen Möglichkeiten und daran festhalten an guten und bösen Tagen, bis der Tod sie scheidet.

Ich habe einmal aus der Nähe ein Ehepaar erlebt, als es beim Mann ans Sterben ging. Beide waren sich darüber im Klaren, dass es hieß, Abschied zu nehmen. Und dann hat sich der Mann bei seiner Frau bedankt für die wundervolle gemeinsame Zeit der Ehe, die er mit ihr haben durfte. Am Ende leuchtete noch einmal die gute Schöpferabsicht Gottes auf. Und ich bin sicher, dass Gott sich in diesem Moment gefreut hat. Denn „von Anbeginn der Schöpfung an hat er sie geschaffen als Mann und Frau“, hat er sie füreinander geschaffen. „Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“ So mahnt uns das Evangelium, damit Ehepartner nicht am Reichtum der Gnade Gottes vorbeigehen, sondern miteinander eine Fülle von Leben empfangen. Gott will immer unser Leben.
  
  Weitere Informationen:
Dieser Artikel ist ein Auszug aus folgendem Buch:

Karl-Heinz Michel
Größeres sehen
© 2009 Präsenz Kunst & Buch Gnadenthal 65597 Hünfelden
www.praesenz-kunst-und-buch.de
ISBN 978-3-87630-079-5
 
Verfasst wurde dieser Beitrag von:  
  Karl-Heinz Michel  
  1946 bis 2006, evangelischer Pfarrer, Dr. theol., war mit seiner Familie seit 1979 Mitglied der Jesus-Bruderschaft Gnadenthal. 1982 bis 1987 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Mainz, lebte er seit 1988 im vollzeitlichen Dienst der Kommunität, zuletzt seit 1997 im Kloster Volkenroda/Thüringen, wo er u.a. den Dienst am Christus-Pavillon der EXPO 2000 verantwortete.
 
 
  Druckversion dieses Artikels  
  [ Druckversion ]  
  Letzte Änderung: 22.07.2009, 11:25 Uhr
sitemap  |  impressum 
05.02.2012
 [ Seitenanfang ]
 
 PHP 5.2.16 generierte diese Seite in 0.003047 Sekunden.
[ Home ] [ Kontakt ] [ Sitemap ] [ Impressum ] [ Suche ]
 
 [ Seitenanfang ]