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GGE online: Themen und Impulse
  Leiterschaft in der Gemeinde
  Von Jesus lernen
  von Swen Schönheit
 
   Artikel aus dem "Brief an die Freunde" Nr. 34.  
 
   Jesus dachte global und handelte lokal
  Die Worte Jesu wurden in einem Winkel der Erde ausgesprochen und galten doch der gesamten Menschheit (Mt 10,27). Sein Opfer am Kreuz war das Geschenk der Erlösung „für die Vielen“ (Mt 26,28). Jesus war sogar motiviert, möglichst vielen Menschen seiner Zeit konkret zu helfen: Er „heilte alle Leidenden“ und speiste „eine große Volksmenge“ (Mt 7,28; 8,16; 14,14). Das Evangelium selbst hat keinerlei elitäre Züge, denn es ist „die Botschaft von der freien Gnade Gottes an alles Volk“ (Barmer Erklärung). Und doch konzentrierte sich Jesus auf wenige, die er schließlich zu Trägern der Bewegung heranbilden wollte. In seinem grundlegenden Buch „Leidenschaftliche Leiterschaft“ verdeutlich Günter Krallmann, dass Jesus „die Jünger nicht nur zu einem Programm, sondern zu einer lebensverändernden Beziehung“ berief und sie „schon von Anfang an darauf vorbereitete, dass sie einmal sein Werk weiterführen sollten.“  
   Jesus konzentrierte sich auf wenige um der Vielen willen  
  Hinter dem Konzept der Zwölfergruppe stand sicherlich das Urbild des Volkes Israel (12 Söhne Jakobs, 12 Stämme und deren Kundschafter zur Zeit des Moses), das Modell der Prophetenschulen (etwa des Elisa) sowie Vorbilder zur Zeit Jesu selbst. Dennoch hat Jesus die rabbinische Lehrmethode neu definiert, intensiviert und in gewisser Weise radikalisiert: „Jesus wusste, dass das verbindliche Zusammensein mit ihm der fruchtbarste Boden für die Jünger war, um charakterlich heranzureifen, in der Erkenntnis zu wachsen und um bestimmte Fähigkeiten heranzubilden. … Die Schule der Jünger war die Gesamtheit der Lebenserfahrungen, die sie mit Jesus teilten. … Das verbindliche Zusammensein bildete das Zentrum und das Geheimnis der Schulungsmethode des Meisters“. Mit diesen zwölf Männern verbrachte Jesus mehr Zeit als mit allen anderen Menschen. Inmitten der vielen Hilfesuchenden reservierte er geschützte Räume der Begegnung. Er differenzierte bei seiner Lehre zwischen „euch“ Jüngern und den anderen „draußen“ (Mk 3,7; 6,31; 4,10-11). Während den Massen vieles verborgen blieb, drängte Jesus bei der Zwölfergruppe auf ein klares Verständnis für „das Geheimnis des Reiches Gottes“ (Mk 7,17-18; 8,16-18; 9,28-32). Zugleich prägte er seine künftigen Leiter unablässig in ihrem Charakter und suchte dazu gezielt das Gespräch innerhalb der
Kleingruppe (Lk 9,10.54-55; 22,24-27). Jesus setzte konsequent Prioritäten im Umgang mit seiner Zeit und in der Gestaltung seiner Beziehungen. Manchmal ging er „unlogisch“ vor und brüskierte geradezu die Vorstellungen seiner Zeitgenossen. Aber auch in der Begegnung mit Schwachen und Schuldigen war er von einer strategischen Weitsicht geleitet: Einige Außenseiter wurden zu seinen besten Multiplikatoren (Mk 2,14-17; 5,18-20). Er rief Menschen mit schlechter „Visitenkarte“ aus ihrem alten Leben heraus und gab ihnen überraschend ihre Würde zurück (Lk 7,48-50; Lk 19,5-9). Er ließ sich bei der Gestaltung seiner Beziehungen niemals von anderen unter Druck setzen, nicht einmal von den Jüngern selbst (Mk 1,35-39; 10,46-52; Joh 4,4.31-42; 11,1-7.32). „Schauen wir uns an, wie Jesus seine Prioritäten setzte: Er verbrachte reichlich Zeit mit den schwierigen, kräftezehrenden und netten Menschen auf seinem Weg: bei den Kranken, Ängstlichen, Kritischen und Neugierigen. Aber nie beherrschten sie seinen ganzen Zeitplan. Sie nahmen sogar relativ wenig seiner Zeit in Anspruch. ... Er reservierte eine beträchtliche Zeit für die Wichtigen und Lernbereiten“ (MacDonald).
  
   Jesus legte seine Beziehungsfelder strategisch an  
  Jesus konnte gesellig und leutselig wirken und war sicherlich kein sachbezogener Mensch westlicher Prägung (Mt 9,10-11; 11,19). Dennoch bewegte er sich nicht einfach in einem „Pool“ von gleichwertigen oder austauschbaren Beziehungen. Immer sah er hinter der einzelnen Begegnung gezielte Möglichkeiten, die der Vater im Himmel für ihn eingebaut hatte. In der Tat nahm Jesus eine „strategische Staffelung Seiner Beziehungen“ vor, indem er sich die Freiheit nahm, „die Männer nach Gottes Wahl auszusuchen, und sich das Recht vorbehielt, die meiste Mühe in die Fähigsten zu investieren“. Für uns ergeben sich daraus wertvolle Einsichten für den Gemeindeaufbau und den
Gebrauch unserer Zeit! Aber schauen wir uns zunächst die unterschiedlichen Beziehungsebenen
an, auf denen Jesus sich bewegte:

• Schon die Auswahl der Zwölfergruppe war keine Einladung an Freiwillige, sondern eine gezielte Erwählung aus dem Gebet heraus. Mit seinen zwölf Jüngern hatte Jesus einen ersten Stamm von Mitarbeitern, die er noch zu Lebzeiten trainierte (Lk 6,12-16; 9,1-6).

• Innerhalb der Zwölfergruppe (sozusagen der geistlichen „Familiengruppe“) bildete Jesus ein Kernteam, das herausragende Erfahrungen mit ihm teilte (Mk 5,37; 9,2; 14,33). Auch diese engere Auswahl musste von den übrigen Jüngern akzeptiert werden!

• Zu Johannes (dem vermutlich Jüngsten in der Gruppe) hatte Jesus ein besonders herzliches Verhältnis, eine Art Freundschaft. Ihm vertraute er noch am Kreuz die Fürsorge seiner Mutter an. Offenbar haben ihn die übrigen Jünger neidlos anerkannt als den „Jünger, den Jesus lieb hatte“ (Joh 13,23; 19,25-27; 20,2; 21,7.20).

• Mit besonderem Augenmerk wurde Simon Petrus von Jesus gefördert und gefordert. Als verheirateter Mann und Inhaber eines kleinen Fischereibetriebes brachte er vielleicht am meisten Lebenserfahrung mit. Jesus sah in Petrus die künftige Führungspersönlichkeit und übertrug ihm schon vor Ostern gezielt Verantwortung (Mk 8,29.32; 10,28; 11,21). Er betete in besonderer Weise für Petrus und baute ihn nach seinem Scheitern durch vergebende Liebe wieder auf (Lk 22,31-32; Mk 16,7). Bis zum Tag der Himmelfahrt hatte Jesus in ihm seinen Nachfolger gefunden (Joh 21,15-18).

• Noch auf dem Weg zu seinem Leiden in Jerusalem erweiterte Jesus seine Mitarbeiterschaft, indem er „72 andere Jünger auswählte und sie zu zweit voraus schickte“ (Lk 10,1-9). Damit verbreiterte Jesus gezielt die tragende Basis seiner Bewegung.

• Die Gruppe der „etwa 120 Personen“, die sich von Himmelfahrt bis Pfingsten zum Gebet traf, umfasste vermutlich den gesamten Freundes- und Mitarbeiterkreis, den Jesus innerhalb seines kurzen Lebens aufbauen konnte: Die Frauen, die Jesus auf seinen Reisen versorgt hatten, seine leibliche Familie sowie einige „verborgene“ Jünger.
  
   Jesus verwandelte Menschen in ihrem Charakter  
  Man könnte auf Neudeutsch sagen, dass Jesus seine Jünger und Wegbegleiter nicht nur informierte, sondern sie persönlich „formatierte“ und im Zusammensein „transformierte“. Sie sollten seine Worte hören „und danach handeln“. Sie würden seine „Brüder und Schwestern“ sein, indem sie bereit wären „den Willen Gottes zu tun“ (Mt 7,24-27; Mk 3,35). Sie sollten nicht nur wissen, sondern handeln – nach dem Vorbild von Jesus (Joh 13,15-17). Vor allem sollten sie auf Lebenszeit mit ihm zutiefst „verbunden bleiben“, denn „getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,4-5). Es ist offenkundig: Jesus ging es primär um die Qualität der geistlichen Lebens in diesen Wenigen. Er verzichtete auf schnellen Erfolg und oberflächlichen Effekt zugunsten einer Kernmannschaft von Menschen, in denen er selbst weiterlebte. Dies ist zutiefst relevant auch für unser Verständnis von Leitungsfragen, weil „niemand auf Dauer ein guter Leiter sein kann, wenn er nicht zunächst ein guter Nachfolger ist“ (Krallmann). Damit ist einerseits unser eigenes Verhältnis zu Jesus Christus angefragt, aber auch unsere Bereitschaft zum geistlichen Leben in verbindlicher Beziehung mit anderen
Christen.
  
  Weitere Informationen:
Dieser Artikel ist ein Auszug aus folgendem Buch:

Swen Schönheit
Unter offenem Himmel bauen
Begeisterung für wachsende Gemeinden
GGE-Verlag, Hamburg 2006
ISBN 978 3-9808340-9-4
160 Seiten, € 8,95

Das Buch kann in der GGE-Geschäftsstelle bestellt werden: wagner@gge-online.de. Telefon: 040-32 33 07-0 oder online im Webshop der GGE.
 
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Verfasst wurde dieser Beitrag von:  
  Swen Schönheit  
  Swen Schönheit ist Pfarrer an der Apostel-Petrus-Gemeinde in Berlin-Reinickendorf und engagiert sich intensiv für Themen des Gemeindeaufbaus.  
 
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  Letzte Änderung: 14.12.2010, 09:36 Uhr
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05.02.2012
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